Wem sollen Bergbahnen gehörten?

BergAnsichten: Wem sollen Bergbahn-Unternehmen gehören?

Kommentar von Edgar Grämiger in Internationale Seilbahn-Rundschau 2/2021 ISR

Wem sollen Bergbahnunternehmen gehören? Privaten oder der Öffentlichen Hand?  An wen sollen sie verkauft werden dürfen?

Es gibt keine Standard-Antworten, doch die Leidenschaft der Diskussion zeigt, dass Bergbahnen mehr sind als industrielle Produktionsstätten, welche sich hinter anonymen Firmenfassaden verbergen. Bergbahnen sind mit der Landschaft verbunden und symbolisieren häufig ein Stück «daheim». Also kann schon einmal von «Ausverkauf der Heimat» die Rede sein, wenn Bergbahnen ihre Besitzer wechseln.

«Seilbahnen braucht es nur, wo sie rentabel sind, ansonsten sind sie eine Verschandelung der Landschaft und eine Verschleuderung des Geldes.» Dieser Satz von Seilbahnpionier Willy Garaventa[1], macht deutlich, dass Bergbahnen nicht einem Selbstzweck dienen dürfen, sondern nach wirtschaftlichen Kriterien zu betrieben sind. Einer Maxime, welchem durch den Einsatz von privatem Kapital mit seinem Anspruch an eine langfristige Rendite, Genüge getan werden könnte. Bergbahnen gehören in die Privatwirtschaft!

Wir wissen natürlich, dass das nicht immer der Fall und eine Beteiligung der öffentlichen Hand nicht selten ist. Der private Ansatz hat allerdings wesentliche Vorteile! Die «privaten» Bergbahn-Unternehmen, sind gezwungen innovativ zu sein, Kosten zu optimieren, Skaleneffekte zu nutzen, usw… sie müssen «am Ball» bleiben und das kommt der Qualität des Produkts und dem Gast zu Gute.

Vielleicht kennen Sie auch Beispiele, wo der umgekehrte Fall eingetroffen ist. Fälle, wo eine Bergbahn im sicheren Schoss der öffentlichen Hand träge wurde, ihren «Dienst nach Vorschrift» tat und der Gast dabei in Vergessenheit geriet. Soll es geben.

Aber schaffen nur die isolierten Bergbahn-Unternehmen den wirtschaftlichen Erfolg? Bergbahnen sind wohl häufig die Treiber, doch die Gewinnmaximierung der Bergbahn-Unternehmung zu Lasten der regionalen Partner ist nicht zielführend. Es sind nämlich nicht die einzelnen Bergbahn-Unternehmen, welche miteinander im Wettbewerb stehen, sondern es sind die «gesunden Destinationen». Sie sind die eigentlichen Akteure der Tourismuswirtschaft. Die Eigentümer der Bergbahn-Unternehmung sind deshalb gut beraten, nicht nur die wirtschaftliche Gesundheit ihrer eigenen Unternehmung im Blick zu haben, sondern jene der ganzen Destination.

So ist es legitim, dass Bergbahn-Unternehmen eben nicht nur mit privatem Geld finanziert werden, sondern die Gemeinde oder eine regionale Trägerschaft Miteigentümer oder Aktionäre sind. Es gibt viele Beispiele, wo das hervorragend funktioniert, z.B. Zermatt: «Ischi Bahn» – unsere Bahn! Durch die Beteiligung der Gemeinde wird sichergestellt, dass die Interessen der Bergbahnen den Interessen der Gemeinde nicht entgegenlaufen und die Kooperation in der Talschaft sichergestellt wird.  Nebst der Rentabilität könnte die regionale Kooperationsbereitschaft als zweite Maxime definiert werden. Viele sehr gut laufende alpine Destinationen mit stabiler Entwicklung basieren auf einer gemischten Eigentümerschaft von Öffentlicher Hand (Gemeinden) und Privaten.

Das Modell der unabhängigen Destinationen, welche mit ihren jeweiligen Bergbahn-Unternehmen miteinander im alpinen Wettbewerb stehen, gilt nach wie vor. Allerdings kommen mit touristischen Gross-Unternehmen, welche durch den Erwerb von strategisch ausgewählten Bergbahn-Unternehmen «ihr Unternehmens-Portfolio» ergänzen wollen, weitere Player dazu.


[1] https://www.tagesanzeiger.ch/sonntagszeitung/ich-habe-schon-als-kind-seilbahnen-gebaut/story/26391650

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