BergAnsichten: Alpine Mobilität – Was Bergbahnunternehmen tun können und sollen.

Kommentar von Edgar Grämiger in Internationale Seilbahn-Rundschau 6/2020 ISR

WÄHREND DIE WELT endlich begreift, welche Vorteile Strom gegenüber Diesel und Co. hat, ist der Elektromotor am Berg schon seit vielen Jahrzehnten Realität – Bergbahnunternehmen sind Pioniere der ökologischen Elektromobilität. Oder könnten es sein …, denn noch dominieren große Parkplätze mit „fossil betankten“ Autos zur sehr das Image. Erst durch die proaktive Mitgestaltung von durchgängigen modernen Mobilitätslösungen wird sich dieses Bild verändern!


Es stimmt schon, die Analysen zum CO2-Ausstoß eines Skiausflugs zeigen, dass der Aufenthalt am Berg (Lift, Pisten, Beschneiung, Gastronomie) nur einen geringen Teil ausmachen und die Anreise mit 75 bis 80% des gesamten CO2-Ausstoßes zu Buche schlägt. Doch heißt dies nicht, dass die Bergbahnen damit „aus dem Schneider“ sind. Der Aufenthalt am Berg ist das Hauptmotiv der Reise, woraus eine Mitverantwortung für die gesamte Customer Journey entsteht.



Was können Bergbahnunternehmen tun?

Fakt ist, ohne Bergbahnen geht in den alpinen Destinationen nichts. Insbesondere wenn größere Entscheidungen im Bereich Infrastruktur anstehen, geht an den Bergbahnunternehmen kein Weg vorbei. Bergbahnen können und sollen sich noch stärker als die wesentlichen Akteure und Treiber begreifen, die nicht nur „am Berg“ eine Veränderung initiieren können, sondern auch im Tal. Die Gestaltung der Schnittstelle zum ÖV, insbesondere zum Schienennetz, sowie der mutige Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge stehen im Vordergrund. Angenehme und einfache Umsteigbeziehungen sind das A und O. Es gilt, den eigenen ÖV-Anschluss attraktiver zu gestalten.

Der neue ÖV-Hub in Fiesch (Wallis) ist ein hervorragendes Beispiel, wie das gelingen kann: Verschieben der neuen Talstation um 250 m und Verschieben des bestehenden Bahnhofs um 350 m. Et voilà, Verknüpfung perfekt! Wesentlicher Treiber für dieses Projekt: das Bergbahnunternehmen.

Als „Pioniere der Elektromobilität“ sollen die Bergbahnen auch Vorreiter sein, eine umfangreiche Ladeinfrastruktur für Elektroautos anzubieten. Prognosen sagen bis 2025 rund 4,5% Elektroautos voraus. Bei einem Parkplatz mit rund 2.200 Autos wären das ca. 100 Elektroautos. Wenn nur die Hälfte zwischen 100 km und 200 km für die Rückreise nachladen müssen, wären dies 50 Ladepunkte, welche zur Verfügung gestellt werden müssen. Da die Gäste in der Regel während das ganzen Tages nicht selbst umparken können, müssen „pionierhafte“ Servicekonzepte etabliert werden: z. B. Valet-Parking mit Ladeservice, Schlüsseldepots, Apps zur Mitteilung des Abstellplatzes etc.

Bei einem Bedarf von ca. 30 kWh für 150 km Rückreise beträgt die benötigte Energie für die oben erwähnten 50 Ladepunkten ca. 1.5 MWh pro Tag oder ca. 550 MWh pro Jahr. Ist das viel? Ist das wenig? Das zeigt der Blick auf ein weiteres Handlungsfeld in dem Bergbahnunternehmen tätig werden können und sollen. Mit der eigenen Produktion von erneuerbarer Energie schließt sich der Kreis.



Einige Beispiele

Ein mittelgroßes, schweizerisches Skigebiet produziert durch die Nutzung ihrer Beschneiungsinfrastruktur mit der Turbinierung von Wasser ca. 400 MWh pro Jahr.

Die Schmittenhöhebahn produziert mit einer Photovoltaik-Anlage von insgesamt 2.750 m2 auf verschiedenen Gebäuden rund 300 MWh pro Jahr.
Am Kronberg (Schweiz) sind rund 150 Parkplätze mit einem Solardach gedeckt, welches sich bei Schneefall zusammenfalten lässt. Auf 4.000 m2 resultieren so ca. 350 MWh pro Jahr.


Alpine Mobilität zukunftsfähig und enkeltauglich zu machen, kann gelingen! Durch die kluge Vernetzung mit der Eisenbahn, die Bereitstellung einer passenden Ladeinfrastruktur für Elektroautos und die Ausnutzung
der Potenziale zur Produktion erneuerbarer Energie leisten Bergbahnen ihren wertvollen Beitrag für eine nachhaltige alpine Mobilität.

Pioniergeist ist gefragt, wir haben es in der Hand.

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