4 Herausforderungen für die Zukunft des Wintersports

Dr. Roland Zegg äussert sich in einem Beitrag der Berner Zeitung vom 18. Februar 2017 zu den zukünftigen Herausforderungen von Skigebieten:

 

1. Klimaerwärmung:
Wenn es nicht gelingt, die Emissionen zu reduzieren, wird die Schneemenge in der Schweiz bis ins Jahr 2100 um bis zu 70 Prozent abnehmen, insbesondere unterhalb von 1200 Metern über Meer, so die publizierte Modellrechnung der ETH Lausanne sowie des Schnee- und Lawinenforschungsinstituts. Skigebiete mit Naturschnee dürfte es dann nur noch oberhalb von 2500 Metern geben. Gemäss dem Klimawandelszenario 2014 von Bundesstellen und der Uni Bern wird sich die früher rund hundert Tage lange Skisaison um bis zu neun Wochen verkürzen. Diese harschen Prognosen sind nicht unumstritten. «Bis 2050 werden die meisten Skistationen nicht verschwinden, aber die Beschneiung muss stark intensiviert werden», relativiert etwa Therese Lehmann, Tourismusforscherin an der Universität Bern.

 

2. Gesättigter Markt:
Der Wintersportmarkt wächst seit Jahren nicht mehr. Die Zahl der Skifahrer und Snowboarder ist rückläufig und liegt weit hinter den Rekordwerten der 1990er-Jahre. Touristen haben heute mehr Optionen und ­buchen im Winter auch Strandferien oder Städtetrips. Vor allem kleinere Skidestinationen befinden sich in einer Zwickmühle: Sie erwirtschaften zu wenig Mittel, um die Kapazität ihrer Bahnen oder ihrer Beschneiungsanlagen auszubauen.

Viele Bergbahnen stecken in einem Investitionsstau. Entweder fehlt ihnen das Geld für Neuinvestitionen, oder sie haben sich mit ihren Investitionen verschuldet. Denn neue Bahnen mit mehr Kapazitäten brauchen umso mehr Kunden, um amortisiert zu werden. Bei weit von den grossen Zentren entfernten Walliser und Bündner Destinationen wie dem Engadin kommt ein Krisenfaktor hinzu: Wegen des hohen Frankenkurses bleiben viele Gäste aus dem Euroraum aus.

 

3. Diversifizierung:
«Wintersportorte müssen verstehen, dass sie nicht einseitig auf den rückläufigen Skibetrieb setzen dürfen», sagt Roland Zegg. Es brauche im Winter Alternativen zum Skibetrieb, wie Winterwandern oder Wellness, und dazu Sommeraktivitäten. Als eine Exitstrategie aus der Abhängigkeit vom Schnee beschreibt Therese Lehmann Events im alpinen Raum. Mit dem Snowpenair auf der Kleinen Scheidegg Anfang April verlängert die Jungfrauregion ihre Wintersaison. Pionier und Meister der alpinen Events ist für Lehmann Gstaad, das mit dem Snow-Bike-Festival, dem Menuhin-Musifestival, dem Tennis- und dem Beachvolleyball-Turnier oder der Countrynight in jeder Jahreszeit etablierte Top­events durchführt.

 

4. Zielgruppen:
In den letzten zwei Jahrzehnten haben sich die Zusammensetzung der Gäste in den Alpen und ihre Bedürfnisse markant verändert. Die Gesamtstudie «Bergbahnen wohin? – 2025» von grischconsulta nimmt Zielgruppen unter die Lupe. Die Studie nennt folgende Megatrends: Es kommen zwar mehr Gäste aus Übersee in die Schweizer Alpen, diese verlieren dafür immer mehr einheimische Gäste. 35 Prozent der Bewohner unseres Landes haben einen Migrationshintergrund und wenig Affinität zum Schneesport. Die in den 1970er-Jahren mit Skisport soziali­sierten Jahrgänge sind älter geworden, fahren weniger Ski, haben aber ein erhöhtes Gesundheits- und Sicherheitsbedürfnis. Junge Leute sind nicht mehr mit klassischem Wintersportmarketing erreichbar, sie wollen bei ihrem Streben nach Unabhängigkeit abgeholt werden. Überdies ist die Generation Wohngemeinschaft besonders preissensitiv. Aber auch Familien meiden die Wintersaison, wenn es keine günstigen Gesamtpakete gibt.

 

Beitrag in der Berner Zeitung vom 18. Februar 2017

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