Die neue Qualität beim Skifahren: Warum Platz auf der Piste zum Erfolgsfaktor werden kann.

Ein Blogbeitrag von Thomas Küng

Anhand welchem Hauptkriterium entscheiden wir uns, wo wir Skifahren gehen? Ist es der kürzeste Anreiseweg, die Pistenqualität oder -gesamtlänge, die komfortablen Transportanlagen, der Preis, …?

Ein zentraler Ansatz zur Beurteilung der Qualität eines Skigebiets ist bislang kaum etabliert: Das Verhältnis zwischen der Förderkapazität der Bergbahnen und dem tatsächlich verfügbaren Raum auf den Pisten.

Das Gleichgewicht zwischen Förderkapazitäten und Pistenraum

In den vergangenen Jahrzehnten wurden ältere Skilifte durch leistungsfähige Sessel- und Gondelbahnen ersetzt. Während diese Investitionen Wartezeiten reduzierten, erhöhten sie gleichzeitig die Anzahl Skifahrer auf den Pisten. Für eine ganzheitliche Betrachtung des Angebots eines Skigebiets sollte deshalb nicht allein die Förderleistung pro Stunde im Zentrum stehen, sondern auch deren Verhältnis zu den verfügbaren Pistenkilometern beziehungsweise Pistenflächen. Daraus lässt sich ein «Pistendichtefaktor» ableiten: Wie viele Personen können an einem Spitzentag theoretisch pro Stunde auf einem Pistenkilometer unterwegs werden?


Im Alpenraum zeigen sich Unterschiede

Ein Vergleich der Durchschnittswerte der jeweils fünf grössten Skigebiete der Schweiz, Österreichs, Südtirols und Frankreichs zeigt grössere Unterschiede:


Abb. 1: Durchschnittliche Anzahl Skierdays, Pistenkilometer, theor. Förderleistung und Skifahrer pro Pistenkilometer der jeweils grössten 5 Skigebiete pro Region.

Hinweis: Die Tabelle zeigt einfachheitshalber die Pistenlänge (Kilometer) und nicht die Pistenfläche (Hektare). Dies benachteiligt Skigebiete mit breiteren Pisten.

Obwohl die durchschnittliche Anzahl Skierdays pro Jahr in den grössten 5 Skidestinationen pro Region vergleichbar ist, scheinen sich die infrastrukturellen Konzepte zu unterscheiden. Die Österreichischen und Südtiroler Gebiete verfügen über beinahe doppelt so hohe Förderkapazitäten pro Pistenkilometer wie Schweizer Gebiete. Die Skigebiete in Frankreich wiederum kompensieren hohe Besucherzahlen teilweise durch besonders grosse zusammenhängende Skiräume.


Warum Pistendichte mehr sein kann als eine technische Kennzahl

In der Vermarktung von Skigebieten hat die Skifahrerdichte bislang kaum Beachtung gefunden. Dort stehen Pistenkilometer, Schneesicherheit und moderne Anlagen im Vordergrund. Es stellt sich die Fragen, ob in Zukunft die Prioritäten gleichbleiben und der Fokus des Gastes auf dem Transport bleibt, oder ob nicht die Qualität der Abfahrt vermehrt an Relevanz gewinnt. Sollte nicht der verfügbare Raum auf den Pisten eine wichtigere Rolle in unseren Überlegungen spielen?

Der verfügbare Platz könnte sich zu einem eigenständigen Qualitätsmerkmal entwickeln – nicht zuletzt aufgrund demografischer Veränderungen in der Nachfrage. So steigt das Durchschnittsalter der Skifahrer seit Jahren kontinuierlich an und wird weiter ansteigen. Mit höherem Alter steigt tendenziell das Sicherheitsbedürfnis. Aber auch für weniger geübte Skifahrer – Anfänger und Familien mit Kindern – erhöht sich das Risiko, wenn geringe Fahrkompetenzen mit ungenügendem Platz kombiniert werden.


Sicherheits- und Freiheitsgefühl als strategische Qualitätsfaktoren

Mehr Platz reduziert das wahrgenommene und tatsächliche Kollisionsrisiko, erhöht damit die Sicherheit und verbessert die Erlebnisqualität für alle Zielgruppen. Das Sicherheitsgefühl auf den Pisten ist vermutlich heute ein unterschätzter Faktor bei der Wahl eines Skigebiets.

Bei Investitionen ist es daher sinnvoll, die Förderleistung enger mit den verfügbaren Pistenflächen in Einklang zu bringen. Dazu gehören beispielsweise:
– eine Erhöhung der Förderleistungen vor allem dort, wo die dazugehörigen Pisten unterfrequentiert sind,
– die Erschliessung zusätzlicher Pistenflächen,
– die technische Beschneiung von Nebenpisten zur besseren Verteilung der Gäste,
– die Entzerrung stark frequentierter Achsen,
– sowie eine gezielte Dezentralisierung innerhalb des Skigebiets.

Für das Freiheitsgefühl auf unseren Pisten ist entscheidend, wie sicher und entspannt sich ein Gast auf den Pisten bewegen kann. Wird die potenziell verfügbare Fläche pro Gast zu einem ebenso wichtigen Qualitätsindikator wie Pistenkilometer, Komfort oder Schneesicherheit, eröffnet dies die Chance auf eine neue Premium-Positionierung für einzelne Skigebiete. Vor diesem Hintergrund sollte der verfügbare Platz auf der Abfahrt künftig auch stärker als Qualitätsdimension in die Preis-Leistungs-Beurteilung jedes Skigebiets einfliessen.



grischconsulta: Langjährige Erfahrung in der Investitionsplanung und in Skigebietskonzeptionen

grischconsulta begleitet seit bald 40 Jahren Bergbahnunternehmen und deren Entscheidungsorgane in der Ausarbeitung ihrer Strategien. Dazu gehören auch Skigebietskonzeptionen und Kapazitätsberechnungen.

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